Landgut Sa Granja

File 317Wie lebten und arbeiteten die Mallorquiner im 19. Jahrhundert? Welche Volksfeste und –trachten sind typisch für Mallorca? Und welche kulinarischen Spezialitäten hat die Insel zu bieten? Wer neugierig auf das traditionelle Mallorca ist, dem sei ein Ausflug auf das Langut Sa Granja 1,5 km westlich der Ortschaft Esporles empfohlen.

 
Bereits die Römer fanden Gefallen an den sprudelnden Quellen und der üppigen Vegetation, die das Land in diesem Teil der Insel bereithielt. Die Mauren gründeten schließlich im 12. Jahrhundert eine kleine Bauernhofsiedlung und nutzen das Wasser, um Korn zu mahlen und Olivenöl zu pressen. Nach der Reconquista übernahm zunächst Heerführer Nunyo Sanç das Anwesen, der es anschließend an die Zisterziensermönche verkaufte. Diese machten aus der einstigen maurischen Mühle ein Kloster. 1447 ging das Gebäude in privaten Besitz über, von Ende des 17. Jahrhunderts bis 1985 gehörte der nun zum herrschaftlichen Landgut ausgebaute Komplex der wohlhabenden Familie Fortuny. Der heutige Eigentümer, Cristóbal Seguí Colom, ließ das Anwesen restaurieren und machte es zu dem eindrucksvollen Freilichtmuseum, das es heute ist.
 
Im Mittelpunkt des Landsitzes steht das grandiose Herrenhaus mit den exquisit ausgestatteten Gemächern, in denen man allerlei Exponate aus dem 18. und frühen 19. Jahrhundert bestaunen kann, darunter z.B. Möbel, die typisch mallorquinische Stickmuster aufweisen. Die dem Gut zugehörige Färberei gehört zu den ältesten Gebäuden, sie wurde bereits von den Römern konstruiert. Am interessantesten ist der Einblick in die alten Werkstätten mit den zig Gerätschaften. Der Besucher bekommt einen Eindruck davon, wie hier in früheren Zeiten gefärbt, gedruckt, gewebt oder genäht wurde. Auch eine Schmuckwerkstatt, eine Parfümdestille und sogar eine Folterkammer erwarten einen auf Sa Granja.
 
Doch damit nicht genug: selbst der Gaumen kommt während der Erkundung des Landguts nicht zu kurz. Kostenlos werden Wein sowie das leckere Ölgebäck bunyoles zur Verfügung gestellt, außerdem kann man verschiedeneKäse- und Wurstpezialitäten, Feigenmark oder Kräuterliköre kosten. Mittwochs und freitags schließlich gleicht Sa Granja einem Rummelplatz: nachmittags wird dann ein urtraditionelles mallorquinisches Volksfest, inklusive Volkstänzen, Handwerksvorführungen und Eselrennen (!) abgehalten.